FRANZ LISZT: FREIE BEARBEITUNGEN XV. [II/15]

HERAUSGEGEBEN VON ISTVÁN KASSAI, IMRE SULYOK

Editio Musica Budapest, 2003. S. XI-XXI.

VORWORT

 

POLONAISE AUS TSCHAIKOWSKIS OPER „JEWGENY ONEGIN“

(R 262, SW 429, NG2 A293)

 

Peter Iljitsch Tschaikowski (1840-1893) komponierte seine Oper Eugen Onegin (Op. 24) in den Jahren 18771878 nach einer epischen Dichtung von Alexander Sergejewitsch Puschkin (1799-1837). Das Libretto wurde vom Komponisten selbst mit Hilfe von Schilowski[1] zusammengestellt. Die Uraufführung der Oper fand am 29. März 1879 in Moskau statt. Schon im November 1879 bearbeitete Liszt die Nummer 19 aus dem ersten Bild des III. Aktes, die Polonaise, für Klavier. Die Bearbeitung war Karl Klindworth, einem ehemaligen Schüler[2] von Liszt, gewidmet. Die Bearbeitung wurde zuerst 1880 im Verlag Jurgenson in Moskau[3] publiziert, dann erschien sie, von denselben Platten gedruckt, ebenfalls vom Verlag Jurgenson hergestellt, in dessen französischem und belgischem Kommissionsverlag, beim Pariser Félix Mackar[4]. Noch im selben Jahr wurde das Stück auch in der Firma Rahter in Hamburg herausgegeben.[5]

Als Grundlagen unserer Ausgabe dienten diese gedruckten Quellen, sowie der im Besitz des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg befindliche Autograph[6], der vermutlich die erste Notierung der Bearbeitung darstellt.

 

PRÉLUDE Á LA POLKA DE BORODINE

(R 297, SW 207a, NG2 A296)

 

Die russischen Komponisten Alexander Porfirjewitsch Borodin (1833-1887), Cesar Antonowitsch Cui (18351918), Anatoli Konstantinowitsch Ljadow (1855-1914) und Nikolai Andrejewitsch Rimsky-Korsakow (18441908) publizierten 1879 ihre gemeinsame Arbeit mit dem Titel Paraphrases. In dem Werk wurde ein kleines,

mit zwei Fingern leicht spielbares Thema in Form von Variationen und Charakterstücken für Klavier zu vier Händen bearbeitet, und zwar so, dass dieses kleine Thema vom ersten Spieler (primo) während des ganzen Stückes in unveränderter Form, kontinuierlich gespielt wird. Liszt schätzte dieses Werk sehr hoch,[7] und er komponierte 1880 für die geplante zweite Ausgabe eine Variation als Einleitung für die Polka von Borodin. Das Prélude erschien 1881 in der zweiten Ausgabe der Serie zwischen zwei Variationen als Faksimile des Autographs von Liszt. Die älteren Werkverzeichnisse registrieren diese Komposition als ein Stück für Klavier zu 4 Händen, die Variation von Liszt wurde aber ausdrücklich zu zwei Händen, für den zweiten Spieler (secondo) geschrieben.

Die einzige Quelle unserer Ausgabe stellt die erwähnte Faksimile dar.

 

2da MAZURKA PER PIANOFORTE DI TIRINDELLI VARIATA DA F. LISZT

(R SW 573a, NG2 A297)

 

Die drei Kompositionen[8] des italienischen Violinisten, Komponisten und Dirigenten Pier Adolfo Tirindelli (1858-1937) wurden 1880 Liszt durch die Tochter des Getreuen und Freundes von Liszt, Baron Antal Augusz (1807-1878), die Pianistin Helen Augusz (1850-?) zugeschickt[9]. Diese Werke wurden vermutlich nicht viel früher komponiert und herausgegeben.[10] Liszt notierte Änderungen in den Noten: „Hier je me suis permis de noter plusieurs variantes dans sa mélodie [...]“ – und er schickte sie an Baronesse Helen Augusz in Begleitung eines Briefes zurück, in dem er die Begabung des Komponisten Tirindelli würdigte.[11] Unter den Quellen der drei von Liszt bearbeiteten Werke sind nur die der 2da Mazurka: die Ausgabe der Firma Giudici e Strada, Torino aus dem Jahre 1880[12], sowie der Autograph der von Liszt bearbeiteten Takte 100-124. und 140-212[13] bekannt.

Unsere Ausgabe basiert auf diesen beiden Quellen, die wir auch mit der Giudici e Strada-Ausgabe des ursprünglichen Klavierwerkes verglichen haben.

 

LIEBESSZENE UND FORTUNAS KUGEL AUS DEM ORATORIUM „DIE SIEBEN TODSÜNDEN“ VON ADALBERT VON GOLDSCHMIDT. FANTASIESTÜCK

(R 165 SW 490, NG2 A298)

 

Mit Adalbert von Goldschmidt (1848-1906) wurde aus einem österreichischen Bankangestellten ein Komponist und Dichter; sein Wiener Salon war ein Zentrum des gesellschaftlichen und künstlerischen Lebens, wo auch Liszt im April 1885 zu Gast war[14]. Seinen ersten Erfolg als Komponist erntete er mit dem Oratorium Die sieben Todsünden nach dem Text von Hamerling[15]; das Werk wurde 1876 in Berlin uraufgeführt. Es wurde Liszt gewidmet[16], der aus zwei Ausschnitten des Oratoriums[17] 1880 in der Villa d'Este bei Rom eine Fantasie komponierte. Die Bearbeitung, auf deren erster Abschrift das Datum 10 October [18]80 zu lesen ist, wurde 1881 von Arnold Simon in Hannover, vom Verleger Goldschmidts, herausgegeben[18].

Als Quelle unserer Ausgabe benutzten wir diese Erstausgabe. Als Quelle dienten außerdem eine autographierte Abschrift des Werkes, aufbewahrt im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig[19], sowie die erste autographe Notierung von Liszt, die in der Musikabteilung der Bibliothéque nationale de France in Paris zu finden ist[20].

 

O! WENN ES DOCH IMMER SO BLIEBE! LIED VON ANTON RUBINSTEIN Op. 34 No. 9

(R 239/1, SW 554/1, NG2 A304)

 

Anton Grigorjewitsch Rubinstein (1829-1894), der russische Dirigent, galt nach Liszt als der größte Pianist des 19. Jahrhunderts, ein vielseitiger Komponist, Gründer des Konservatoriums in St. Petersburg und ein Schützling von Liszt[21]. Das Lied von Rubinstein wurde nach dem Gedicht aus dem Band „Lieder des Mirza-Schaffy”[22]des deutschen Dichters, Übersetzers und Lehrers Friedrich Martin Bodenstedt (1819-1892) komponiert und erschien 1854 oder etwas später bei Friedrich Kistner in Leipzig[23] als Nr. 9 der Zwölf Lieder des Mirza-Schaffy von Anton Rubinstein, Op. 34. Liszt bearbeitete das Lied 1880 für Klavier.[24] Diese Bearbeitung, die der Frau von Rubinstein gewidmet war[25], erschien 1881 ebenfalls bei Kistner[26].

Diese Ausgabe sowie ein Autograph-Fragment, ein Teil der ersten Notierung des Werkes - aufbewahrt in der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien[27] - dienten als Quellen unserer Ausgabe. Die erste Ausgabe des Liedes von Rubinstein wurde als ergänzende Quelle verwendet.

 

DER ASRA. LIED VON ANTON RUBINSTEIN Op. 32 No. 6

(R 239/2, SW 554/2, NG2 A329)

 

Der Titel ist zuerst über einem Gedicht von Heinrich Heine (1797-1856), dann über dem Lied von Anton Rubinstein zu lesen, das nach diesem Gedicht komponiert wurde. Das Lied erschien als Nr. 6 des Heftes 6 Lieder von Heine von Anton Rubinstein, Op. 32 im Jahre 1856 bei Kistner in Leipzig[28]. Die Klavierbearbeitung Liszts entstand Anfang der 1880er Jahre und erschien 1884 ebenfalls bei Kistner[29].

Unsere Edition basiert auf dieser Ausgabe. Die im sog. Heyer-Katalog[30] unter der Nummer 1606 beschriebene Abschrift stand uns für die Herausgabe nicht zur Verfügung.

 

PROVENZALISCHES MINNELIED VON ROBERT SCHUMANN

(R 254, SW 570, NG2 A306)

 

Robert Schumann (1810-1856) komponierte seine Ballade Des Sängers Fluch für Soli, Chor und Orchester (Op. 139) 1852. Der Text der Ballade wurde von Ludwig Uhland[31] geschrieben und von Richard Pohl[32] umgearbeitet. Liszt bearbeitete 1881 den 4. Satz (Provenzalisches Lied) der aus 14 Sätzen bestehenden Komposition für Klavier[33] Die Bearbeitung erschien noch in demselben Jahr unter dem Titel Provenzalisches Minnelied bei Adolph Fürstner in Berlin,[34] herausgegeben von Albert Ross Parsons[35]. 1882 wurde das Stück auch im Verlag Lucca Milan herausgegeben.[36]

Als Quellen unserer Ausgabe verwendeten wir außer diesen gedruckten Ausgaben auch jene von Liszt signierte Abschrift, die Verbesserungen und Ergänzungen von Liszt enthält und die in der Library of Congress, Washington, aufbewahrt wird[37]. Der Ausschnitt des Textes von Uhland-Pohl wurde aus der folgenden Ausgabe des Schumann-Werkes übernommen: Robert Schumanns Werke, hrsg. von Clara Schumann. Serie IX. Grössere Gesangwerke mit Orchester oder mit mehreren Instrumenten. Partitur. Vierter Band. Verlag von Breitkopf & in Leipzig. Plattennummer: A.F. 2624 / R.S. 90. Ausgegeben 1885. S. (208) - (214).

 

DREI LIEDER ZU JULIUS WOLFF'S EPOS „TANNHÄUSER“ KOMPONIERT VON OTTO LESSMANN

(R 177, SW 498, NG2 A316)

 

Otto Lessmann (1844-1918) war ein deutscher Komponist, Musikschriftsteller; lange Zeit Leiter der Allgemeinen Musikzeitung, begeisterter, kämpferischer Anfänger der Musik von Wagner und Liszt. Lessmann komponierte drei Lieder nach Ausschnitten des im Jahre 1880 erschienenen Epos „Tannhäuser“ des deutschen Dichters und Schriftstellers Julius Wolff (1834-1910). Liszt bearbeitete 1882 diese Lieder für Klavier,[38] vermutlich als Erwiderung der 1881 publizierten Liszt-Studie von Lessmann[39]. Die Erstausgabe der drei Bearbeitungen erschien 1883 bei Theodor Barth in Berlin,[40] dann 1883 im Verlag Lucca in Mailand[41], beide Male in separaten Heften.

Als Quellen unserer Ausgabe dienten diese beiden Ausgaben, sowie der Autograph der Bearbeitungen, der in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv, aufbewahrt wird.[42]

 

RÉMINISCENCES DE BOCCANEGRA DE VERDI

(R 271, SW 438, NG2 A314)

 

Giuseppe Fortunino Francesco Verdi (1813-1901) komponierte seine Oper Simon Boccanegra nach einem Libretto von Piave[43], das Werk wurde am 12. März 1857 in Venedig uraufgeführt. Mehr als zwei Jahrzehnte später bearbeitete der Komponist seine Oper, nachdem er Boito[44]. das Libretto umarbeiten ließ. Die Oper wurde am 24. März 1881 in Mailand in dieser neuen Form uraufgeführt. Der Klavierauszug des überarbeiteten Werkes wurde bald, vermutlich noch im Jahre 1881, gedruckt,[45] ein Exemplar befindet sich auch in Liszts Budapester Nachlass.[46] Nach den Ausschnitten der Oper komponierte Liszt im Dezember 1882 in Venedig eine Fantasie. Die bearbeiteten Ausschnitte: die Einleitung des Prologs; das Fanfarenmotiv des Dogen; der Kampfmarsch „All’armi, o Liguri“ des Schlusschores in dem zweiten Akt; schließlich wird die Fantasie mit der genauen Transkription des Finales des dritten Aktes (Boccanegras Tod: „Gran Dio li benedici”) und mit der Koda aus dem Prolog beendet. Die Bearbeitung erschien schon im darauffolgenden Jahr in zwei Auflagen bei Ricordi in Mailand.[47].

Neben den erwähnten beiden Ausgaben verwendeten wir als Quellen unserer Edition auch jene von Liszt korrigierte Abschrift, die im Archiv des Ricordi-Verlags aufbewahrt wird und die als Stichvorlage der Erstausgabe diente, sowie die erste Notierung im Besitz des British Museums in London[48].

 

FEIERLICHER MARSCH ZUM HEILIGEN GRAL AUS DEM BÜHNENWEIHFESTSPIEL „PARSIFAL“ VON RICHARD WAGNER

(R 283, SW 450, NG2 A315)

 

Die letzte Oper von Wilhelm Richard Wagner (1813-1883), Parsifal Ein Bühnenweihfestspiel in 3 Aufzügen[49]. wurde am 26. Juli 1882 in Bayreuth uraufgeführt. Liszt, der Wagner in Paris kennengelernt hatte und ihn seitdem in allem unterstütze und seine Kunst bewunderte,[50] wohnte nicht nur der Uraufführung bei, sondern mindestens den folgenden vier Aufführungen und mehreren Proben, in der Villa Wahnfried spielte er den Gästen Ausschnitte der Oper auf dem Klavier[51]. Aus dieser Zeit stammt seine letzte Wagner-Bearbeitung, Feierlicher Marsch zum heiligen Gral, der auf einigen Motiven des ersten Aktes aufgebaut ist. Der Autograph der Fantasie wurde am 16. September 1882 dem Verlag Schott nach Mainz zugeschickt.[52] Die Bearbeitung erschien hier im Dezember 1883.[53]Gleichzeitig oder etwas später publizierte auch der Verlag von Lucca in Mailand[54], das Stück. Auf dem Konzertpodium wurde es am 29. September 1882 uraufgeführt, der junge d’Albert[55] setzte es auf das Programm seines ersten Weimarer Klavierabends[56]. Die erwähnten drei Ausgaben stellten die Quellen unserer Ausgabe dar, ebenso die Stichvorlage der Schott-Ausgabe, eine von Liszt korrigierte Abschrift, die in dem Verlagsarchiv in Mainz aufbewahrt wird.

 

MARCHE HONGROISE D'APRÈS SCHUBERT: DIVERTISSEMENT À L’HONGROISE Op. 54 No. 2 - D 818/2. Troisième édition 1883

(R 250, SW 425, NG2 A48)

 

Die Serie Divertissement à l’hongroise für Klavier zu vier Händen von Franz Peter Schubert (1797-1828) wurde 1838-39 von Liszt für Klavier zu zwei Händen bearbeitet. Die Bearbeitung erschien 1840, dann, mit der Aufschrift auf dem Titelblatt „auf eine leichtere Art gesetzt“ 1846 bei Diabelli in Wien.[57] Viel später bearbeitete Liszt das zweite Stück der Serie (Marcia) ein zweites Mal. Diese Bearbeitung erschien als selbständiges Werk als Marche hongroise (Fr. Schubert) Troisième édition revue et augmentée zuerst in Wien bei C. A. Spina (Alwin Cranz), dann ein wenig später, 1883, in Hamburg bei August Cranz[58].. Die neue Bearbeitung basiert auf dem thematischen Material der früheren, hat dieselbe Tonart, aber sie enthält wesentliche Erweiterungen.

Als Quellen unserer Ausgabe dienten die beiden erwähnten Editionen.

Als Quellen verwendeten wir außerdem noch drei, in der Library of Congress, Washington aufbewahrten Dokumente, die – einander ergänzend – den vollständigen Notentext der neuen Bearbeitung enthalten: je ein Exemplar der zweiten Hefte von Schuberts Ungarische Melodien auf eine leichtere Art gesetzt und Mélodies hongroises d'après Schubert[59]. mit autographen Eintragungen und Anweisungen Liszts für die troisième édition, sowie die autographen Notenblätter mit der Aufschrift Correctur Blätter von Liszts Hand,[60] die zu den erstgenannten Ausgaben gehören.

Als Quelle konnten wir den für Sophie Menter[61] geschriebenen, ebenfalls in der Library of Congress, Washington aufbewahrten Autograph[62] nicht verwenden. Dieser Autograph gibt an fünf Stellen Änderungen im Umfang von einigen Takten bzw. eine Erweiterung mit der Bemerkung Nach dem Trio an. Es ist aber nicht bekannt, auf welche Ausgabe sich diese Änderungen beziehen, die genauen Stellen der Änderungen sind ebenfalls nicht angegeben.

 

VALSE DE CONCERT D'APRÈS LA « SUITE EN FORME DE VALSE » DE JEAN DE VÉGH DE VEREB

(R 263, SW 430, NG2 A318)

 

Die Walzerfolge von János Verebi Végh[63] Suite en forme de Valse für Klavier zu vier Händen[64] wurde 1882-83 von Liszt für Klavier zu zwei Händen bearbeitet, als Dank an János Végh für die Bearbeitung der DanteSinfonie für zwei Klaviere zu acht Händen.[65] Die Bearbeitungen zu zwei Händen von Liszt erschien zuerst 1885 in Budapest bei Harmonia[66]. Die Quelle unserer Ausgabe waren diese Ausgabe sowie die Faksimile des autographen Korrekturblattes, das die Takte 87-110 enthält[67]. Als ergänzende Quelle konnten wir eine Abschrift von Gyula Végh, dem Sohn von János Végh, benutzen, die er 1933 von dem Autograph der ersten Fassung der Bearbeitung verfertigte. Diese Abschrift befindet sich in der Autographensammlung des Liszt Ferenc Gedenkmuseums und Forschungszentrums der Liszt Ferenc Musikakademie (Staatliche Universität), Budapest.[68]

Der jetzige Fundort des Autographs der definitiven Fassung (s. SW 430) ist unbekannt. Die Leipziger Ausgabe von Friedrich Kistner wurde von den Platten der Harmonie-Ausgabe gedruckt. Aufgrund ihrer Plattennummer (7217) wurde sie 1888 oder 1889 herausgegeben[69], deshalb war sie als Quelle nicht brauchbar.

 

ABSCHIED. RUSSISCHES VOLKSLIED

(R 104, SW 251, NG2 A324)

 

Der russische Pianist und Dirigent Alexandr Iljitsch Siloti (1863-1945) war in den Jahren 1883-1886 Schüler von Liszt in Weimar. Durch ihn lernte Liszt das russische Volkslied „На прощание“ (Abschied) kennen;[70] das Lied inspirierte ihn zum Komponieren einer Bearbeitung. Diese entstand den Werkverzeichnissen zufolge im Jahre 1885. Die Uraufführung fand am 13. August 1885 in Weimar, während einer Unterrichtsstunde Liszts statt.[71] Die Erstausgabe, Siloti gewidmet, erschien im September 1885 im Fritzsch Verlag in Leipzig.[72] Wahrscheinlich im selben Jahr wurde das Stück auch von der Firma Bernard in St. Petersburg herausgegeben.[73]

Als Quellen unserer Edition dienten die beiden erwähnten Ausgaben, sowie die autographe erste Notierung, aufbewahrt in der National Library of Russia in St. Petersburg[74].

 

TARENTELLE DE CÉSAR CUI

(R 147, SW 482, NG2 A327)

 

Liszt bearbeitete 1885 die Tarantelle für Orchester von Cui[75] für Klavier[76]. Diese letzte Bearbeitung des Komponisten wurde Louise Mercy-Argenteau[77] gewidmet, die eine begeisterte Gönnerin der russischen Musik[78] und eine Freundin Liszts war. Die Bearbeitung erschien 1886 bei der Firma Durand & Schœnewerk in Paris.[79] Die Abzüge wurden von Saint-Saëns[80] korrigiert[81].Diese Ausgabe diente als Quelle unserer Edition. Als Quelle verwendeten wir außerdem fene Abschrift mit autographen Korrekturen von Liszt, die sich im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek Wien[82] befindet. Ebenso benutzten wir die dazugehörige Abschrift mit der Aufschrift „Zusätze zum Manuscripte der Tarantelle von Cui“, sowie die erste autographe Notierung von Liszt, die in der Library of Congress, Washington, Rosenthal Collection aufbewahrt wird.

 

Budapest, Februar 2003

 

István Kassai, Imre Sulyok (Deutsche Übersetzung von Ágnes Gádor)

 

ABKÜRZUNGEN - ABBREVIATIONS

 

Br. = Franz Liszts Briefe. Hrsg. von La Mara, Bd. (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1893-1905).

D Franz Schubert, Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge von Otto Erich Deutsch. In: Franz Schubert, Neue Ausgabe sämtlicher Werke, Serie VIII, Supplement Band 4 (Kassel: Bärenreiter-Verlag, 1978).

DLD = Anik Devriès-François Lesure: Dictionnaire des éditeurs de musique français. Volume II. De 1820 à 1914 (Genève: Éditions Minkoff, 1988).

ELEB = Acta academiae artis musicae de Francisco Liszt nominatae, 3. Franz Liszt 's Estate at the Budapest Academy of Music, II. Music. Edited by Mária Eckhardt (Budapest: Liszt Ferenc Zenemûvészeti Fõiskola, 1993).

ELMM = Studies in Central and Eastern European Music 2. Edited by Zoltán Falvy. Mária Eckhardt: Franz Liszt's Music Manuscripts in The National Széchényi Library, Budapest (Budapest: Akadémiai Kiadó, 1986).

F = Chronologisch-systematisches Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Franz Liszts von Ludwig Friwitzer. In: Musikalische Chronik (III. Jahrgang der „Wiener Musikalischen Zeitung”) Bd. 5, Nrn. 3-8. Wien, 5. 11. 1887-31. 1. 1888.

HM = Musikalisch-literarischer Monatsbericht neuer Musikalien, musikalischer Schriften und Abbildungen. Angefertigt von Adolf Hofmeister. (Leipzig: Hofmeister, 1834-).

HMW = Wolfram Huschke: Musik im klassischen und nachklassischen Weimar (Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1982).

L-K = Franz Liszts Klavierunterricht von 1884-1886. Dargestellt an den Tagebuchaufzeichnungen von August Göllerich. Hrsg. von Wilhelm Jerger (Regensburg: Gustav Bosse Verlag, 1975).

LLC2 = Dezsõ Legány: Ferenc Liszt and His Country, 1874-1886 (Budapest: Occidental Press, 1992)

L-P = Liszt-Pädagogium. Klavierkompositionen Franz Liszts nebst noch unedirten Veränderungen, Zusätzen und Kadenzen. Nach des Meisters Lehren pädagogisch glossirt von Lina Ramann. Serie I-V (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1901).

ML = Jakov Iszakovics Milstejn: Liszt (Budapest: Zenemûkiadó, 1965).

MND = Musikverlags Nummern von Otto Erich Deutsch (Berlin: Verlag Merseburger, 1961).

NG2 = Franz Liszt, Works by Mária Eckhardt, Rena Charnin Mueller, in: The New Grove. Dictionary of Music and Musicians. Second Edition. Ed. by Stanley Sadie. Vol. 14 (London: Macmillan Publishers Ltd., 2001) pp. 785-872.

R = Dr. Felix Raabe: Verzeichnis aller Werke Liszts nach Gruppen geordnet. In: Peter Raabe, Liszts Schaffen, S. 241-377, Zusätze S. 7-40. 2. Ausgabe (Tutzing: Hans Schneider, 1968).

SW = Franz Liszt, Works. Compiled by Humphrey Searle. Rev. by Sharon Winklhofer. In: The New Grove. Early Romantic Masters 1: Chopin, Schumann, Liszt (New York & London: Macmillan, 1985).

WL3 = Alan Walker: Franz Liszt, Volume Three, The Final Years 1861-1886 (New York: Alfred A. Knopf, 1996).

 

 



[1]           Konstantin Stepanowitsch Schilowski (1848-1893), Schriftsteller unter dem Pseudonym K. Glebowski, Freund von Tschaikowski, war Schauspieler am Kleinen Theaters in Moskau.

[2]           Karl Klindworth (1830-1916) Pianist, Dirigent und Pädagoge. 1852-53 war er Liszts Schüler in Weimar. 1854-1868 lebte er in London, 1868-1884 war er Klavierlehrer am Moskauer Konservatorium.

[3]           Br. II. S. 291. Plattennummer der Ausgabe: 3987.

[4]           Unvenderte Plattennummer: 3987.

[5]           HM, Oktober 1880, S. 287. Plattennummer der Ausgabe: 2060.

[6]           Signatur: (Hs) 107022.

[7]           Br. II, S. 285. und 376.

[8]           „»All'Ideale« sa 2e Mazurka, et l’Adagio du Trio“. Vgl. Br. II, S. 296.

[9]           Vgl. Ettore Montaro: Pier Adolfo Tirindelli a la sua musica. A. F. Formiggini Editore in Roma, 1933, S. 13.

[10]         Die 2da Mazurka erschien bei der Firma Giudici e Strada in

Turin, Plattennummer: 13624 d.

[11]         Siehe Br. II, S. 296.

[12]         Plattennummer: 14261 z.

[13]         Stiftung Weimarer Klassik / Goethe- und Schiller-Archiv, Weimar, Signatur: GSA 60 / 191.

[14]         WL3, S. 468.

[15]         Robert Hamerling (ursprünglich Rupert Johann Hammerling, 1830-1890) österreichischer Lehrer, namhafter Dichter und Schriftsteller, eines seiner wichtigsten Werke ist die epische Dichtung aus dem Jahre 1872, die als Text des Oratoriums verwendet wurde.

[16]         In dem Budapester Nachlass von Liszt sind ein Exemplar der Partitur, beziehungsweise zwei Exemplare des Klavierauszugs zu finden. In einem Exemplar des Klavierauszugs gibt es eine Menge von autographen Notizen von Liszt. Beide erschienen bei Arnold Simon in Hannover. Signaturen: LH Z 12615 und LH Z 2277: 1-2. Siehe ELEB, Nrn. 678 und 679.

[17]         Die beiden Ausschnitte, die als Grundlage der Bearbeitung dienten, sind die 3. und 5. Formteile des 2. Satzes des Oratoriums.

[18]         HM, März 1881, S. 58. Plattennummer der Ausgabe: A. 151 S.

[19]         Signatur: 6697.

[20]         Signatur: W 13, 461 und W 13, 462.

[21]        Rubinstein traf Liszt zuerst auf seiner europischen Tournee 1840-43. Seine Oper Die Sibirischen Jäger wurde am 9. November 1854 von Liszt in Weimar unter seiner eigenen Leitung aufgeführt. Siehe HMW, S. 200; WL2, S. 289.

[22]         Bodenstedt publizierte seine eigenen Gedichte diesmal unter dem Namen von Mirza-Schaffy, seinem ehemaligen Lehrer, der ihn in dem damaligen Tiflis (Tbilissi, Georgien) orientalische Sprachen lehrte. Der Band erschien zuerst 1851, dann wurde er in verschiedenen Sprachen in mehr als 250 Auflagen publiziert.

[23]         MND, S. 18. Plattennummer: 2096.

[24]         Datierung des Autographs: 4-10 Octobre 80 / Villa d'Este F. Liszt.

[25]         Vgl. Br. II, S. 296-297.

[26]         HM, Januar 1881, S. 7. Plattennummer der Ausgabe: 5720.

[27]         Signatur: Mus. HS. 37818 A/Liszt 5.

[28]         MND, S. 18. Plattennummer der Ausgabe: 2181.

[29]         MND, S. 18; HM, Januar 1884, S. 5. Plattennummer der Ausgabe: 6358.

[30]         Katalog des Musikhistorischen Museums in Köln, von Georg Kinsky.

[31]         Ludwig Uhland (1787-1862), deutscher Literaturhistoriker und Dichter, Sammler von Sagen und Volksliedern.

[32]         Richard Pohl (1826-1896), deutscher Musikschriftsteller und Komponist, kämpferischer Unterstützer und Freund von Liszt, Wagner und Berlioz.

[33]         NG2, S. 818, Nr. A306.

[34]         MND, S. 12. Plattennummer der Ausgabe: F. 2180.

[35]         Albert Ross Parsons (1847-1933) amerikanischer Pianist, Organist und Pädagoge.

[36]         Auf dem Titelblatt des Exemplars mit der Signatur A 355-15 der Bibliothèque Nationale de France, Paris ist der folgende Stempelabdruck zu lesen: „DEPOSITO / LUG. / 1882 / F. LUCCA”.

[37]         Signatur: ML96 .L58.

[38]         Br. II, S. 334.

[39]         Otto Lessmann: Franz Liszt. Eine Charakterstudie. Berlin, Beer, 1881.

[40]         NG2, S. 818, Nr. A316. Plattennummern: B 3788, B 3789, B 3790.

[41]         Plattennummern: k 37069 k, k 37070 k, k 37071 k. Auf den Titelblättern der von uns benutzten Exemplare (Biblioteca del Conservatorio Statale di Musica „Giuseppe Verdi“ di Milano, Signaturen: I-A-355-11a/11b/11c) ist der Stempelabdruck „DEPOSITO / LUG. / 1883 / LUCCA“ zu lesen.

[42]         Signatur: Mus. ms. autogr. Liszt, 8.

[43]         Francesco Maria Piave (1810-1876), italienischer Librettist. Er wurde durch seine Libretti für Verdi bekannt (Ernani, I due Foscari, Macbeth, II corsaro, Stiffelio [= Aroldo], Rigoletto, La Traviata, Simon Boccanegra, La forza del destino).

[44]         Arrigo Boito (1842-1918), italienischer Komponist und Dichter. Er schrieb unter anderem die Libretti von Othello, Falstaff und dem bearbeiteten Simon Boccanegra.

[45]         Der Klavierauszug erschien als „nuova edizione“ bei der Firma Ricordi in Mailand. Vgl. ELEB, S. 486, Nr. 2296.

[46]         Signatur: LH Z 5992.

[47]         HM, Mai 1883, S. 91; ELMM, S. 199, Fußnote 50. Plattennummern: z 48485-48767 z bzw. z 48485 z.

[48]         Signatur: EG 2735.

[49]         Parsifal wurde von Wagner 1877-1882 nach seinem eigenen Text komponiert. Der Klavierauszug erschien im Mai 1882, die Partitur 1883 in Mainz.

[50]         In diesem Zusammenhang s. seine zwei Briefe an Fürstin Wittgenstein vom 20. Juli und 2. August 1882 aus Bayreuth (Br. VII, S. 350-351, Nr. 346 und 347).

[51]         LLC2, S. 201; WL3, S. 417-418.

[52]         Ober die Zusendung des Autographs berichtet er in seinem Brief an Otto Lessmann, Datierung: „16ten Sept. 82 - Weimar“ (Br. II, S. 332).

[53]         HM, Dezember 1883, S. 330; F, S. 82. Plattennummer der Ausgabe: 23700.

[54] Auf dem Titelblatt des von uns benutzten Exemplars (Biblioteca del Conservatorio Statale di Musica „Giuseppe Verdi“ di Milano, Signatur: 1-A-357-23) steht der Stempelabdruck „DEPOSITO / [...] / 1884 / F. LUCCA”.

[55]         Eugène Francis Charles d'Albert (1864-1932), deutscher Komponist und Pianist. Er war (1882-1883) Liszts Schüler in Weimar.

[56]         LLC2, S. 203, S. 308, Fußnote 193; WL3, S. 418.

[57]        Siehe: Mélodies hongroises d'après Schubert (R 250, SW 425, NG2 A48); NLA Band 11/3, S. XIV, 93, 111, 161.

[58]         HM, Juli 1883, S. 163. Plattennummer der Ausgabe: 35681.

[59]         Beide: Wien, A. Diabelli & Comp., Plattennummern: D. et C. No. 8354 und D. et C. No. 6959.

[60]         Alle drei Quellen befinden sich unter der Signatur ML96 .L58.

[61]         Sophie Menter (1846-1918) deutsche Pianistin, die begabteste Schülerin von Liszt.

[62] In: Rosenthal Collection.

[63]         János Verebi Végh (1845-1918), ungarischer Richter, Komponist, 1881-1887 Vizepräsident der Musikakademie in Budapest.

[64]         Erschienen im Verlag der „Harmonia“ Société Anonyme des Artistes Musiciens Hongrois, Budapest. Plattennummer: H. 50. Diese Aktiengesellschaft begann ihre Tätigkeit 1881. Ihre Aktivität war sehr umfassend: Dazu gehörten Organisierung von Konzerten, Herausgabe von Zeitungen, sogar Bau von Klavieren. Auch als Musikverleger war sie bedeutend, die anspruchvolleren Drucke wurden bei C. Röder in Leipzig gedruckt.

[65]         Vgl. PLB, Nrn. 497 und 532.

[66]         Plattennummer der Ausgabe: H. 108. Die Beilage der „Harmonia“ (der wöchentlichen Musikzeitschrift der Aktiengesellschaft) war am 25. Januar 1885 die Publikation mit der Plattennummer H. 101 (Ede Schwarz: Naturalizmus Polka-Mazur), am 26. Juli 1885 die Publikation mit der Plattennummer H. 111 (József Konti - József Szigeti: Lieder aus Czigány Princz). Daraus folgt, dass die Publikation mit der Plattennummer H. 108. – mit den Daten der Werkverzeichnisse nicht übereinstimmend – 1885, vermutlich im zweiten Quartal erschienen. Signatur des Exemplars der Liszt Ferenc Akademie für Musik (Staatliche Universität), Liszt Ferenc Gedenkmuseum und Forschungszentrum: LGY 29301.

[67]         Sotheby's NY, Kat. 14, 12. 1988, No. 216.

[68]         Signatur: Ms. Mus. L 627b.

[69]         Vgl. MND, S. 18.

[70]         Das Volkslied ist eine Variante des allgemein bekannten russischen Liedes „Степъ Моздокская“.

[71]         L-K, S. 93.

[72]         HM, September 1885, S. 247. Platennummer der Ausgabe: E.W.F. 444 L.

[73]         Plattennummer der Ausgabe: М. 70 Б.

[74]         Signatur: F. 298 A. I. Ziloti N8.

[75]         César Antonovitsch Cui (1835-1918), russischer Komponist, Ingenieuroffizier-Professor und Musikschriftsteller, aktives Mitglied der Gruppe „Mächtiges Häuflein”, der nationalen Bewegung der neuen russischen Musik.

[76]         Vgl. Br. II, S. 382 und ML, Kapitel 6, S. 414-415.

[77]         Gräfin Louise Mercy-Argenteau (1837-1890), belgische Pianistin. Ihre Biographie: Therese Caravan-Chimay: Violets for the Emperor (London, Harvill Press, 1972).

[78]         Br. II, S. 382. Mercy-Argenteau schrieb 1888 die erste Biographie von Cui.

[79]         DLD, S. 153. Plattennummer: D.S. 3570.

[80]         Charles Camille Saint-Saëns (1835-1921), Komponist, bedeutendster Vertreter des französischen Neoklassizismus, einer der Gründer der Société Nationale de Musique, Freund von Liszt.

[81]         Siehe den unveröffentlichten Brief Liszts vom 23. Dezember 1885 aus Rom an Mercy-Argenteau, in dem er sich über seine immer schwächere Sehkraft beklagt. Deshalb und mit Genehmigung Liszts forderte Durand Saint-Saëns auf, die Korrektur zu machen. (Den Text des erwähnten Briefes stellte uns das Budapester Liszt Ferenc Gedenkmuseum und Forschungszentrum zur Verfügung.)

[82]         Signatur: F 28 Göllerich 610.